über

Die Idee meiner Arbeiten ist es, dem massengefertigten Produkt Postkarte ein zweites Leben als Kunstobjekt zu geben. Das erreiche ich, indem ich in aufwändiger Handarbeit bestickte Unikate erschaffe.
Nach einer Grafikdesignausbildung und einem Architekturstudium habe ich knapp 7 Jahre im Bereich der Innenarchitektur gearbeitet. Im Jahr 2022 sind mein Partner und ich für ein halbes Jahr durch verschiedene Länder in Südamerika gereist. Hier haben mich die aufwendigen Stick- und Webarbeiten nachhaltig beeindruckt. Zurück in Deutschland habe ich mir eine Teilzeitbeschäftigung gesucht, um mein Kleingewerbe nebenbei aufzubauen und die Arbeit an meinen eigenen Stickarbeiten zu vertiefen. Seitdem hatte ich das Vergnügen an verschiedenen Messen und Märkten teilnehmen zu dürfen und mehrere Auftragsarbeiten auszuführen.
Das Sticken vereint meine Leidenschaft für Handarbeit und meine Faszination für alten Krempel. Familiär geprägt, durch die Freude an Handarbeit meiner Großmutter und Mutter, die strickten, häkelten und nähten, führe ich die Techniken in zeitgenössicher Art und Weise fort. Mein beruflicher Hintergrund in Grafikdesign beeinflusst die Affinität zu grafischen Elementen, die sich besonders gut in Stickerei übersetzen lassen. Die Verzerrung oder stilisierte Darstellung fotorealistischer Motive mithilfe von alteingesessenen Sticktechniken, wie dem Kreuzstich, um eine Verpixelung des Motivs zu erzeugen, ist wiederkehrendes Motiv meiner Arbeiten. Meine Arbeiten existieren in den Bereichen zwischen Grafikdesign, textilem Gestalten, Kunst und Handarbeit. Die Motive vieler Arbeiten bewegen sich zwischen Hommage und Pastiche, bis hin zu Persiflage auf verschiedene Künstler, Motive oder Stilrichtungen. Besonders interessant sind hierbei Brüche, die entstehen, wenn ein „traditionelles“ Postkartenmotiv in einen neuen Kontext gesetzt wird. Seit diesem Jahr beschäftige ich mich in verschiedenen Serien mit der Verarbeitung und Verbindung von Motiven der baubezogenen Kunst - hauptsächlich aus der DDR - und Postkarten von DDR-Architektur.
Bärbel Ambrus, die mich auf der Grassimesse für einen Beitrag in der Zeitschrift vom Textilfachverband befragt hat, nannte meine Arbeiten „wertschätzendes Upcycling“ und ich finde das eine sehr passende Benennung. Hier ein Auszug aus ihrem wundervollen Beitrag:
„Erfunden und genutzt wurden Postkarten einst und bis heute als Massenprodukt, von lokal bis global. Vom Senden zum Empfangen - die meisten der Postkarten gelangten in Umlauf, wurden bewahrt oder weitergereicht. An die Emotionalität dieses Vorgangs und der Kartengestaltung wird erinnert, und durch die zeitgenössische, kunst-handwerkliche Überformung werden sie angereichert. So entstehen aus dem historischen Schatz in verborgenen Kartons neue, anrührende und oft vergnügliche Kunstwerke. Durch die handgemachte Aufwertung gelangen sie ins Heute, zu neuen Adressen und Menschen. Das ist wertschätzendes Upcycling, Erhaltung und Weitergabe von Kulturgut.“